Mein Leben

Absturz und Aufstieg Teil 1

Eigentlich dachte ich mir , würde sich etwas verändern.
Aber das tat es nicht , ich hatte das Gefühl nur das sich etwas in mir änderte.
Aber nicht meine Mutter.
Oma kam nun nur noch selten zu uns und um so öfter hatte meine Mutter die Gelegenheit zu trinken.
Ich hatte das Gefühl von Hilflosigkeit ich fühlte mich Taub und gleichzeitig schwer.
Ich habe kaum noch etwas gesagt , es brachte ja nichts.
Um so mehr ich sie anflehte um so mehr betrank sie sich.
Irgendwann stellte sich mir dann eine neue Betreuerin vom Jugendamt vor.
Sie war Schlank und hatte wunderschöne Rote Lange Haare, sie rauchte Tabak zum drehen.
Ich verstand mich gut mit ihr und vertraute ihr auch einiges an.
Ich war ganz anders als Damals , als noch die andere Privatlehrerin da war nicht so verschlossen.
Vielleicht habe ich ja doch ein bisschen was aus der Kinder und Jugendpsychiatrie gelernt ?
Ich hab an mir selbst bemerkt das ich nicht immer nur das Stille Kind sein konnte.
Ich wurde auch mal Frech und habe etwas gesagt wenn mir was nicht passte.
Nur bei meiner Mutter hielt ich mich noch etwas zurück , aus Angst.
So fuhr ich an fast jeden Morgen mit der Betreuerin zur Schule , wenn ich auch Nachts oft nicht schlafen konnte.
Und ich war auch ab und zu mal Erkältet , dennoch bin ich zur Schule gegangen.
Ich weiß nicht mehr wie diese Zeit in der Schule war , wahrscheinlich war sie gut deshalb kann ich mich heute an dieses Kurze Zwischenstück nicht mehr so recht erinnern.
An das was ich mich erinnere ist die Betreuerin mit den Roten Haaren und das ich jemanden zum Reden hatte.
Das ich im inneren jedes mal zerbrach , wenn Mama trank.
Und es wurde nichts besser , eher im Gegenteil.
Meine Mutter war sehr Grob und Forsch wenn sie Getrunken hatte , ja und das schlimmste war ihre Provokation.
Ihren Blick werde ich wohl in meinem Leben nie mehr vergessen.
Ein Blick voller , Hass , Zorn und Neid.
Ich selbst habe als Kind nie diese Gefühle zu anderen Menschen gehabt.
Auch heute nicht wo ich erwachsen bin.
Ich selbst hasse mich , ja wofür – für vieles was ein anderer vollkommen Normaler Mensch nicht begreifen kann. Niemals.
Ich hatte aber an einem Abend eine ganz große Wut , auf das was dieser Scheiß Alkohol aus meiner Mutter macht.
Weil , sie konnte so lieb sein und sie war es für mich die liebste und beste Mama der Welt.
Aber Korn und Bier machte meine Mutter zu einem Monster , das alles was ich sagte niederschmetterte.
Das Monster , was mich beleidigte , beschimpfte und mich mit all meinen Sorgen alleine lies.
Meine Mutter war voll und wollte auf einmal Urplötzlich ins Bett gegen 21 Uhr , für mich war das komisch weil ich doch immer bis spätestens 23 Uhr aufblieb.
Damals aber litt ich unter einen schlimmen Kontrollzwang , ich wusste damals nicht was das zu bedeuten hatte und warum ausgerechnet ich so einen schaden habe.
Heute begreife und verstehe ich das alles. Ich musste unbedingt vorm zu Bett gehen , alles nachschauen zb. Den Herd , Heizungen , Fernseher , Fenster , Türen und andere Gefahrenquellen.
Beim achten male schauen , fing ich beinahe an auszurasten.
Ich konnte einfach nicht mehr , immer wieder dieses Nachschauen und es dreht sich wieder alles im Kreis und man fängt wieder von vorne an.
Ich schrie ganz laut und biss mich wieder Wund in den Handrücken , ich hätte am liebsten ein Messer genommen und mich überall aufgeschlitzt.
So einen Hass hatte ich auf mich und meine Taten.
Auf einmal stand meine Mutter im Wohnzimmer und schrie mich an , was das soll das ich jetzt sofort ins Bett kommen soll.
„ Mama ich kann nicht „ Ist denn alles in Ordnung ?
Meine Mutter schrie und beleidigte mich, dann nahm sie mich trug mich beinahe …und ich zappelte ganz arg und wild um mich. Dann sah ich die Tür vom Wohnzimmer die Glasfenster in der Mitte hatten , als sie mit mir daran vorbei ging schlug ich mit meiner Faust in das Glasfenster.
An meiner rechten Hand (der Handseite) war eine lange Scherbe in mein Fleisch geschnitten.
Und meine Hand blutete stark.
Meine Mutter lies mich runter und ich sackte in mir zusammen , meine Mutter erhob die Hand hinter sich , als ob sie zu einem festen Schlag ausholen würde der mein Gesicht treffen sollte.
Ich verschlug die Hände vor meinem Gesicht und ich zitterte vor Angst , so habe ich meine Mutter noch nie gesehen.
Sie verkrümmte ihr Gesicht , sodass auf ihrer Stirn überall Falten zu sehen waren.
Dann ließ sie ihre Hand fallen , drehte sich um und ging in das Schlafzimmer.
Ich ging ins Bad und holte mir etwas Toilettenpapier um das Blut von meiner Hand zu wischen.
Es pochte , aber kein Schmerz . Der Seelische Schmerz dagegen das mich meine Mutter zum ersten mal schlagen wollte war tausend mal schlimmer.
Dann ging ich ins Bett , nachdem es aufhörte zu bluten.
Die ganze Nacht lang lag ich wach und habe geweint (leise , sei ja leise ) Dachte ich mir.
Meine Mutter hielt mir diesen Vorfall immer vor , wie gemein ich doch an diesen Abend gewesen wäre. Sie hat es nicht verstanden.
Auch heute noch redet sie ab und zu davon.

Nebenan in der Kneipe saß immer eine Frau und ihr Freund , dem die Wirtschaft gehörte
Und meine Mutter ging so oft dort hin wie nur möglich.
Durch die Wirtin bin ich dann Zeitweise mit ihren Kindern befreundet gewesen.
Ihr Junge versteckte sich immer unter dem Tisch im Wirtshaus , wenn der Freund kam und ihn verprügeln wollte.
Mir tat dieser sehr leid , er war noch jünger als ich, und ich konnte auch nicht verstehen und nicht wissen warum er keine Haare mehr auf dem Kopf hatte.
Wenn der Freund den Jungen erwischte , dann schlug er ihn auch auf seinen kahlen Kopf.
Und bis heute würde ich nicht verstehen warum das die Mutter einfach so zugelassen hat.
Auch wenn sie damals selbst Schläge kassiert hat , von ihren Mann.
Meine Mutter hatte dann wohl eine Freundin gefunden, sie hatten Spaß zusammen und tranken einem nach den anderen.
Aber eines Tages als wir in die Kneipe gingen , saß sie da und weinte.
Meine Mutter fragte was los sei , Da hat sie nur gesagt das sie ihren Jungen ins Heim geben mussten.
Da es nicht so weiter gegangen wäre da er auch ab und zu geklaut hat und seine Agressionen an anderen Kindern ausgetragen hatte.
Irgendwie war das für meine Mutter ein Schock , sie trank auch nur zwei , drei Bier und wir gingen dann wieder nach Hause.
Oder vielleicht dachte meine Mutter sich auch nur „ Mit der ist eh heute nichts los , da kannste nicht Alt werden bei dieser Laune „
Ein paar Wochen später , ging ich mit der Betreuerin in ein Café in unserer kleinen Stadt.
Wir redeten über alles, hauptsächlich aber um meine Mutter.
Ich verschwendete keinen Gedanken daran , was passieren könnte wenn die Betreuerin all das an das Jugendamt weiter gibt.
Ich war froh jemanden an meiner Seite zu haben.
Dann kam die Zeit wo ich fühlte das ich von innen her Selbständiger sein konnte und wollte.
In der Schule meldete ich mich bei der Theater AG an die für mich auch sehr erfolgreich war.
Einen Sketch in dem ich die Hauptrolle spielte , lernte ich meine Sätze in Zwei Tagen andere hatten ihre Texte die nur halb so lang waren erst in Zehn Tagen fertig.
Ich übte derweil schon mal mein Schauspielerisches Talent.
Ich bekam Lob , Achtung und Respekt was mir so unheimlich gut tat.
Doch auch diese Fassade fing an zu bröckeln , spätestens als meine Mutter fast jeden Abend neue Männer bei sich Zuhause hatte.
Einmal waren zwei Männer bei ihr , der eine Jung circa einundzwanzig Jahre und der andere an die sechzig.
Der jüngere gefiel mir , aber ich hatte Angst.
Denn bald wurde ich Fünfzehn Jahre und ich hatte überhaupt noch keine Ahnung von Männern geschweige denn eine Aufklärung über Bienchen und Blümchen.
Aber auch der Jüngere schien sich für mich zu interessieren.
Wir gingen in mein Zimmer und setzen uns auf die Couch.
Irgendwann küsste er mich dann und ich schwebte auf Wolke sieben.
Ich war das erste mal richtig verliebt und ich glaubte da noch an die Unschuld diesen Mannes.
Er fasste mich an , aber das wollte ich nicht.
Er hat sich nicht davon abbringen lassen.
Immer wieder schob ich seine Hand weg , ich wollte nicht das er weiter geht.
Immer wieder sagte ich nein , ich will das nicht.
Dann küsste er mich er presste die Lippen so stark auf mich das ich kaum noch Luft bekam und
ich fing an zu weinen ….
Ich war immer noch verliebt in ihn irgendwie , Er nahm seine Hände weg und Nun küsste er mich zart und nahm mich in den Arm. So was habe ich doch noch nie erlebt.
Er konnte nur schlecht Deutsch sprechen , aber ich verstand ihn auch ohne Worte.
Mein Gott musste ich verknallt gewesen sein.
Am anderen Tag kam er wieder mit seinem Onkel , also der ältere Mann Anfang Sechzig.
Ich zog mir extra ein schönes Sommerkleid an.
Ich war mir sicher das ich ihn haben wollte so ein gut ausehenden Mann und dann noch gleich Sechs Jahre älter als ich. Das hatten die wenigsten in meinem Alter.
Dann kamen sie und tranken erst mal mit meiner Mutter , Wodka –
Ich war traurig weil Chris , so hieß er – mich nicht beachtete.
Er schaute viel zu meiner Mutter rüber die , schon echt viel getrunken hatte.
Aber sie war zumindest Lustig dabei.
Ich ging dann in die Küche um mir ein Glas Sprudel zu holen , auf den Rückweg kam mir der Onkel entgegen der mich an meinen Trägern auf der Schulter anfasste , seine Hand glitt über mein Arm , Reflexartig schlug ich seine Hand weg und bin ins Wohnzimmer gelaufen.
Da sah ich dann ein Bild , was ich nie vergessen werde.
Und das ich meiner Mutter nicht verzeihen konnte.
Sie knutschte mit Chris rum.
Und beinahe sah es so aus als ob die beiden bald soweit wären , das sie sich gegenseitig ausziehen.
Ich schrie und sagte , raus hier alle raus ihr Schweine ihr großen Dreckschweine.
Meine Mutter lachte bloß , und ging dann in die Küche um noch was zu trinken zu besorgen.
Die beiden Männer gingen.
Mehrere Tage hörte und sah ich Chris nicht.
Immer wieder stellte ich mich vor seinem Fenster , damit er mich sieht mir aufmacht und mit mir redet warum er mir das angetan hat.

Langsam wurde es wieder kalt wir neigten uns dem Dezember 1991 zu
Immer wieder hörte ich traurige Lieder und fragte mich warum man mir so was antun muss , wusste meine Mutter denn nicht das ich verliebt war zum ersten mal in Chris ?
Ich verzieh ihr das , weil ich sie ja liebte aber das was am Abend zuvor geschehen war habe ich ihr bis heute nicht erzählt.
An einem kalten Novembertag , stand ich wieder Mals vor dem Fenster.
Diesmal guckte der Onkel aus dem Fenster und sagte das ich kurz rein kommen könnte.
Seine Schwester war da , die mich lieb begrüßte.
Der Onkel sagte nur „ Chris geht es nicht gut „ Er möchte dich auch nicht sehen.
Lass ihn bitte in Ruhe es ist alles in Ordnung.
Ich konnte all das nicht glauben. Am Nachmittag redete meine Mutter mit mir , was mit mir denn los sei.
Ich hab gesagt das ich den Chris sehr gemocht habe.
Meine Mutter sagte darauf etwas was ich damals nicht wirklich begreifen konnte.
Mein Kind „ Die beiden sind nichts , ich meine sind kein Umgang.
Ich will mit denen auch nichts mehr zu tun haben.
„ Diana „ Sie spritzen sich selbst.
Was, spritzen sie sich fragte ich ?
Drogen , Heroin !
Meine Ganzen Nervenzellen meldeten in diesem Augenblick Alarm Stufe Rot.
Damals glaubte ich das , diese Sucht ansteckend sei und das ich das Zeug nun auch brauche.
Es vergingen noch einige Tage. Dann sah ich die Schwester beim einkaufen , die Tante vom Chris und ich fragte wie es ihm erginge.
Sie sagte nur , das der Onkel verstorben ist und Chris ist vor Sechs Tagen wieder nach Polen gegangen.
Dann nuschelte sich sich nur etwas zusammen , ich hab es aber verstanden.
„ Scheiß Drogen , machen kaputt alle „ und meinen Bruder und Chris!
Dann ging jeder seiner Wege.
Und für mich war dieses Grausame Kapitel abgeschlossen.
Durch diese Zeit bin ich dann wieder selten zur Schule gegangen.
Und die Rothaarige Betreuerin kam öfter und nahm mich mit zur Schule.
Als ich Nachmittags von der Schule kam und die Betreuerin dabei war um Hausaufgaben zu machen. War meine Mutter bereits wieder angetrunken , sie machte uns den Vorschlag in eine Kneipe zu gehen um uns ein Essen auszugeben.
Ja sie hatte Das Talent uns so zu manipulieren das wir mitkamen.
Als wir da waren aßen wir Bratwurst Zigeuner Art , aber als wir fertig waren wollte meine Mutter noch nicht nach Hause gehen.
Sie schimpfte , nach drei Korn und vier Bier die sie öffentlich vor der Betreuerin trank.
Wurde es dann der Betreuerin zu viel und sagte meine Mutter die Meinung.
Ich fing an zu weinen und alle in der Kneipe bekamen das Spektakel mit.
Die Betreuerin ging ohne noch Hausaufgaben mit mir zu machen.
Meine Mutter trank weiter und gab groß an wie sie mit solchen vom Jugendamt umgeht.
Drei Tage Später es war der 13.Dezember 1991 , der Tag der mein Leben auf mein Kopf gestellt hat.
Der alles veränderte. Für mich und meine Mutter.
Ich höre heute noch die Schreie …. und mir kommen Tränen ins Gesicht wenn ich darüber nachdenke. Und ich sehe die Bilder vor mir , und alles erscheint in einem Licht, wie ein Film.
Als ob ich alles noch einmal durchmachen müsste.
Das mich die Zeit die dann gekommen ist , aber vielleicht auch zum Positiven verändert hat , das habe ich damals und lange lange danach nicht gesehen. Erst heute weiß ich das , es so sein musste.

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