Alkoholabhängigkeit,  Ehe,  Emotionaler Missbrauch,  Vergangenheit

Das unsichtbare Kind 4Teil & Letzter Teil

…leider weiß ich nicht alles was Rita erlebt hat in ihrer Jugend, was sie erzählt hat, sehe ich – ihre Tochter mit gemischten Gefühlen an.

Sie hat mit Sechzehn angefangen zu arbeiten. Eine Ausbildung wie heute, kam damals nicht in Frage.

Nach den Erzählungen nach, ging Rita oft tanzen und war hübsch und sehr attraktiv. Sie mochte ihre langen Haare nicht mehr, und somit hielt sie ihren Kurzen Haar Stil bis heute.

Mindestens eine ganze Stunde brauchte sie, um dann ihre Haare in Form zu bringen.

Ihre Haare und ihre Augenbrauen betonte sie und war ihr auch am wichtigsten. So auch im Kontakt mit dem anderen Geschlecht, war ihr das Aussehen und die Körperpflege sehr wichtig.

So hätte kein Mann auf die Idee kommen dürfen, sie mit Dreckigen Fingernägeln zum Tanz zu bitten, oder mit ungewaschenen Haaren. Rita achtete immer sehr auf ihr Äußeres und auch das der anderen.

Mit Sechzehn und im Berufsleben schien sie zu bemerken immer dann, wenn es zum Tanzen ging, und sobald sie Alkohol trank nicht mehr so ängstlich war. Das sie Lockerer wurde. Ihr Gefiel es das sie nun offener und geselliger sein konnte. Denn mal ein Likörchen oder auch zwei am Abend war ja nicht verboten, es gehörte bei den Jungen Frauen zu einem Tanzabend mit dazu. So war es dann, dass sie bei jedem Tanzabend auch mal etwas trank. Aber diese Abende waren damals nur gelegentlich.

Sie verliebte sich unglücklich in jemanden, wo sie dachte das würde für ein ganzes Leben halten, dennoch musste er wieder nach Hagen, dort wo sein Elternhaus war und Rita wollte nicht so weit fortziehen. Somit beendeten beide die intensive Beziehung und jeder blieb mit seinem Kummer allein.

Es machte auch den Anschein das Rita oft über ihre Grenze hinaus getrunken hatte und das Helmut, ihr Freund aus Hagen dies nicht gern mit ansah.

Ein paar Jahre später lernte sie einen sehr gut aussehenden jungen Mann kennen, den sie mit 24 Jahren heiratete.

Noch bevor sie in das Ja Wort einwilligte arbeitete sie bei einer Café Konditorei.

Dort machte sie dann viele Überstunden und verdiente auch ein gutes Gehalt.

Doch, da der Chef und die Chefin beide selbst nicht vom Alkohol abgeneigt waren und Rita bei den Stammtischen, die sie bediente immer ein Mittrinken sollte, gewöhnte sie sich langsam daran.

Aber manchmal überkam Rita auch Zweifel und sie sagte „Nein“ Wenn sie zum Beispiel am Abend noch nach Hause fahren wollte.

Oder einfach nicht mochte.

Innerhalb der Ehe die nur Sieben Jahre andauerte, gab es viel Gewalt und Missbrauch.

Rita erlebte die Hölle in ihrer Ehe, wenn am Anfang noch alles den Anschein machte das alles gut würde um so schlimmer war die Erkenntnis sich in diesen Mann getäuscht zu haben.

Er nahm sie, warf sie gegen den Heizkörper, er verdrosch und prügelte auf sie ein. Er nahm sie, warf sie aufs Bett, drückte sich auf ihr und vollzog mit ihr ungewollt den Geschlechtsakt, dabei drückte er ihr ein Kissen aufs Gesicht sodass sie nicht mehr atmen konnte.

So ging das Sieben Jahre lang.

Ihr Mann brachte sie sogar eigenhändig zum Krankenhaus, wenn er ihr etwas angetan und das sie etwas gebrochen hatte, mal war es ihr Bein, mal ein Arm oder mal auch beides.

Der Arzt sagte zu ihr, dass sie mal ihren Mann schicken solle damit er ihn, sich vorknöpfen könne und ihm gehörig die Meinung sagen, aber Rita wusste es besser, er würde sich nicht belehren lassen.

Sooft kam sie mit Blauen Flecken und Brüchen zurück nach Hause zu ihren Eltern, aber anstatt sie sagen würden zu ihr „Komm mein Kind lass dich verarzten und dann gehst du mir nie wieder zu diesem Mann“

Sagten sie, Du musst es ja wissen und ließen sie damit allein.

Meine Mutter hatte noch ihr eigenes Zimmer im Haus und ab und zu holte sie sich vom Laden eine Flasche Bier, nur zum Runterkommen und Abschalten, um einmal die Sorgen zu vergessen und die schlimmen Schmerzen.

Bei einer ihrer Arbeitsstellen traf sie auf einen älteren Mann, den sie mit der Zeit kennenlernte, der selbst auch verheiratet war.

Denn trotz der Eheprobleme hat sich Rita nicht nehmen lassen, zu arbeiten und eigenes Geld zu verdienen.

So hatte sie mehrere Stellen als Service Kraft in Gaststätten oder Cafés oder auch wie einmal als Küchenhilfe in einer Kantine einer großen Mode Boutique

Der ältere Mann lud Rita dann auch oft zu sich nach Hause ein.

Das Ehepaar, war für Rita am Anfang wie Mutter und Vater für sie.

Sobald es Ärger zuhause, mit dem Ehemann gab, flüchtete sie zu dem Ehepaar Heinrich und Anneliese. Dort unterhielten sie sich dann stundenlang oder spielten Karten.

Oft berichtete Rita, Heinrich wie ihr Mann sie behandelte, ihm konnte sie alles sagen, und manchmal erwiderte Heinrich, du erzählst mir immer dasselbe von deinem Mann.

Dann trank Rita auch gern Bier, immer dann, wenn sie mit Heinrich zusammen war. Manchmal hat sie Zuviel getrunken, aber keiner hätte ihr das jemals gesagt Außer das es Ritas, Mann überhaupt nicht schmeckte, wenn er mal dabei war er behandelte sie, als sei Rita sein Besitz.

Sobald er mit ihr wieder nach Hause kam, schmiss er Rita aufs Bett und prügelte auf sie ein.

Er schmiss mit Lebensmitteln sobald er von der Arbeit nach Hause kam und Rita den halben Tag in der Küche verbrachte um ihren Mann ein Menü zu servieren, denn das Essen musste immer pünktlich auf dem Tisch stehen und wenn er dann vermutete das Rita etwas getrunken hatte dann ging der Streit von vorne los.

Das zubereitete Menü landete dann auf dem Teppich oder an der Wand, Er prügelte sie windelweich sodass Rita wiederholt überall Blaue Flecken hatte.

Renate flüchtete wieder zu dem Ehepaar und mal wieder zu ihren Eltern, die dann auch versucht haben auf sie einzureden das sie doch nicht mehr zu ihm zurückkehren soll.

Doch jedes Mal ging sie wieder zu ihm zurück.

Ein paar Jahre später und viele Ergüsse und Knochenbrüche später, entschied sich Rita dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Sie hat sich 1975 scheiden lassen.

Danach lebte sie bei ihren Eltern im Haus und half dort, aber es kam die Zeit, in der sich ihre Angst verstärkte, die sie isolierte und nichts mehr machen und schaffen ließ. Die Zeit, wo die vielen Briefe von dem Anwalt des Ehemannes eintrafen. Es war eine reine Zerreißprobe, an der sie beinahe scheiterte.

Sie wusste nicht mehr was sie tun sollte, sie hatte auf einmal kein Ziel mehr

Zuviel Dreckige Wäsche, die bei Gericht gewaschen wurde, Zu viele Augen, die man auf sie richtete, nichts konnte sie recht machen, sie war das schwarze Schaf der Familie. Ihre Ehe gescheitert und sie war am Abgrund, den Gefühlen übermannt.

In dieser Zeit trank sie besonders viel Bier. Soviel das sich schon Flaschen an ihrem Bett ansammelte. Es gab immer Nachschub im Laden und Mathilde hat ihr, auch wenn widerwillig immer etwas gegeben und alles andere besorgte sie sich heimlich aus dem anderen Lebensmittelmarkt im Dorf. Oder die Kinder im Haus von ihrem Bruder gingen für sie einkaufen.

Rita stand morgens nicht mehr auf und schlief bis zum Nachmittag.

Irgendwann in dieser Zeit, es mochte ein schöner Frühlingstag gewesen sein, lud sie ihr guter und einziger Freund Heinrich ein, zum Frühlingsfest.

Natürlich bemerkte Rita, dass er sie immer ganz besonders angesehen hat und sie dachte sich auch, dass er vielleicht etwas von ihr will obwohl er ja verheiratet war.

Nach einem schönen gemeinsamen Tag auf dem Frühlingsfest, passierte es dann ganz plötzlich.

Er fiel fast über sie her und beide ließen ihrer Lust freien Lauf, beide waren sie den Abend betrunken.

Erst danach, wie so vielen – wurde beiden bewusst, was sie getan haben. Der Schock saß bei Rita tief als sie das zerrissene Kondom bemerkte. Gleich dachte sie Lieber Gott lass es nicht wahr werden. Aber sie sagte ihm nichts.

So verlief die Freundschaft weiterhin und keiner wollte sich je an diesen Abend erinnern. Jeder machte so weiter wie bisher!

Und sie genossen zusammen die Spieleabende mit Bier und Likör.

Als Rita der erste Verdacht kam, wusste sie nicht mehr, wie sie sich dem Ehepaar gegenüber verhalten sollte. Sie versuchte erst mal so zu tun, als ob nie etwas gewesen wäre, dieses schlechte Gewissen hat ganz doll an ihr genagt.

Rita wollte es erst nicht wahrhaben.

Aber als ihre Blutung nach unzähligen Wannenbädern und abwarten nichts nütze

Ging sie zu ihrer Ärztin, die ihr bestätigte, dass sie schon im Sechsten Monat Schwanger sei.

„Ach machen sie sich nicht verrückt“ Es ist ja nur eins…“ Lächelte die Ärztin“ das waren die Worte der Gynäkologin.

Kurz vor der Geburt berichtete sie, mochte sie nicht mehr ein Glas Bier trinken und auch keine Zigaretten mehr rauchen. Das hieß soviel das sie davor noch immer trank, wenn irgendwas anstand, obwohl sie unwissend schwanger war.

Ihre Eltern fassten die neue Nachricht gut auf, Ihr Vater meinte

Wir haben euch Kinder großgezogen, dann schaffen wir das mit dem Baby jetzt auch.

Aber Rita hatte im Vorhinein wahnsinnige Angst ihren Eltern davon zu erzählen, Sie hat sich vorher verrückt gemacht.

Hätte sie gedacht das noch so viel auf sie zukommt, und auch – dass der Kindsvater das kleine nicht anerkennen wird.

Es einfach so bei der Mutter zurücklässt, die schon ein Problem mit Alkohol aufwies.

Und dass, Das Kind sehr krank werden würde und kein Normales Leben führen kann, dann hätte sie vielleicht doch anders entschieden und mich vielleicht abgegeben?

Aber in all diesen Momenten, hat sie nicht einmal daran gedacht!

Sie wusste nicht, wie geht man mit einem Säugling überhaupt um

Und dennoch hat sie mich groß gezogen für mich gesorgt und um mich gebangt.

Und mich zu einem Ehrlichen und Verständnisvollen Menschen mit viel Herz gemacht.

Danke Mama, dass du mich nicht aufgegeben hast!

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