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Alkoholabhängigkeit,  Angst

Gedanken (weißt du?)

Wann hast du das erste Mal gefragt, wie es mir geht? Oft ging es in den
Telefonaten darum das du mir die ganze Zeit etwas von deinen Sorgen erzählt
hast. Und welche Schmerzen du mit dem Alter von 71 Jahren nun bekommen würdest.
Es tut mir sehr leid, aber ich kann dir nicht helfen, wenn du selbst nicht
einsiehst etwas dagegen zu tun.

Geh zum Arzt oder zur Apotheke frag die, wenn du nicht zum Arzt gehen
willst. „Ich wollte es schon sagen, aber ich dachte nur – warum musst du mir
dass immer wieder erzählen“

Weißt du eigentlich, wie es mir geht?

Fragt mich
überhaupt irgendjemand was ich empfinde?

In mir macht sich Traurigkeit breit, irgendwie fühle ich mich der Situation Hilflos ausgesetzt,
ich will ihr doch nicht weh tun und eigentlich habe ich sie auch lieb,
wenn sie mir nicht immer zwischendurch weh tun würde. Ich dachte, endlich nimmt
alles ein gutes Ende sie hat verstanden wie sehr, ich unter die Vergangenheit
leiden musste.

Aber ich denke
nach dem letzten Besuch von ihr wieder etwas anders. Ich bin immer auf dem
Sprung denn ich weiß nie was Morgen wieder sein wird. Zumindest war das früher
oft so. Wie sehr ich gelitten habe, kann sie sich nur in gewissen Maßen jemand 
vorstellen.

Jedes noch so kleine Detail was ich nicht vergessen kann. Bereitet mir heute noch schmerzen.

Als ich das
Hobby für mich entdeckt habe, und anfing über mein Leben zu schreiben. Gab es
Tage und Nächte, in denen ich ohne Pause schrieb, Tränen und Wutausbrüche waren
mein Begleiter.

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Photo by burak kostak on Pexels.com

Damals, es mag
so Zwölf Jahre her sein, befand ich mich mitten in meiner Lebenskrise. Im Alter
von 27 Jahren, wo die meisten jungen Frauen auf Partys gehen, einen Freund haben,
sich amüsieren, das Leben lieben, eventuell schon Kinder haben, saß ich die
meiste Zeit in meiner kleinen Wohnung und dachte über meine Vergangenheit nach.
Mitten in einem Schreibfluss klingelte mein Telefon mich aus diesem Flashback.

Schon wieder
war es meine Mutter, sie stammelte vor sich hin und ich verstand sie kaum,
dennoch versuchte ich ruhig zu bleiben, was ich immer tat. In mir Brodelte
es nur so,

„Kann sich fast
kein Mensch Vorstellen, welche Gefühle in dem Moment in dir Hochkommen“

Es ging um
nichts Ernstes, nur wieder irgendwelche Geschichten, die sie mir erzählen musste. Und
ich spürte und wusste genau was wieder geschehen war.

Dieses Gefühl
der andauernden Angst und der Wut nichts sagen zu dürfen, Stillschweigen zu
bewahren ist wohl das Schlimmste, was man erleben kann.

Dass alles nur, weil ich meine Mutter liebte.

Ich habe immer
nach Aufmerksamkeit gesucht, nach Liebe und Anerkennung, doch alles war nichts Ganzes
und nichts Halbes.

Wie soll eine Mutter,
das ihrem Kind schenken, wenn sie die meiste Zeit, wenn ich sie brauchte im Delirium verbrachte.

Ein Kommentar

  • Anneli Treibig

    Nun, Du hast Geduld, weil Du eine Verantwortung fühlst und tiefe Dankbarkeit, die das Band zu Deiner Mutter knüpfte. Allerdings vergisst Du, wie auch Deine Mutter, dass Du die gleichen Momente spürst, wie, Dich einmal über Deine Ängste und Sorgen auszuweinen. Versuche, Ihr einmal zu sagen, dass Du ähnliche Momente fühlst und Du es ihr gerne mitteilen würdest, wenn sie ein wenig Geduld aufbringt, wie in Deiner Kindheit. Sage Ihr, dass Du Ihre Nähe gerne spürst und Du Vertrauen zu ihr hast, Dich anzuvertrauen. Vielleicht empfindet sie dann, dass sie auch Zeit für Dich investieren muss, um das Vertrauen nicht zu verlieren. Sei lieb gegrüßt und glaube daran dass sie es versuchen wird.


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