Borderline,  Co - Abhängigkeit

Liebe? und Musik

Ich war völlig Konfuzius als ich dann mit dem Telefonat, fertig war. Ich lehnte mich einen Moment zurück an die Lehne meines Sofas und seufzte auf.

Mir war es doch klar, dass sie dann an dem Tag nicht aufhören konnte zu trinken.

Warum tat ich mir immer wieder selbst weh mit solchen Aktionen?

Ich wollte doch eigentlich nur wissen, ob es ihr gut geht,

Ob sie noch lebt?

Warum hatte ich so schreckliche Angst davor, dass Mama etwas passieren könnte, und ich stehe dann ganz allein da?

Tue ich das nicht auch schon jetzt.

Ich kann gar nicht beschreiben welch ein Gefühl es ist, wenn man sich so einsam und hilflos vorkommt.

Irgendwie ist man gefangen, obwohl man doch frei ist.

Auf der Suche nach Liebe, Verständnis und ein bisschen Geborgenheit surfte ich im Internet, manchmal ergaben sich auch mal interessantere Gespräche als immer nur diese hirnlosen Männer die mehr Fridolin gesteuert sind als sonst was.

An Intimen detaillierten Gesprächen war ich nicht interessiert, immer noch spukten mir diese Puzzleteile von damals in den Kopf herum.

Wo ich immer noch nicht sagen kann, ob es Traum oder Realität war.

Hemmungen hatte ich also ohne Frage.

Dass ich mich auf meinen Ex-Freund eingelassen hatte, war nur allein der Grund das ich ihn abgöttisch liebte.

Jedes Mal, wenn ich ihn sah, wurde mir ganz warm ums Herz.

Schließlich war er auch der erste Mann in meinem Leben, mit dem ich auch intim wurde.

Natürlich gefiel mir seine Art nicht, wenn er zu viel trank, aber im inneren seines Herzens sah ich dort ebenso viel Schmerz und Leid genauso wie ich zu viel Schmerz in mir trug. Nur versuchte er es anders zu kompensieren.

Ich ließ es dann einfach geschehen, obwohl ich Schmerzen hatte und ich mich in diesen Momenten oft fragte was Frau und Mann so Besonderes daran finden, Ich hatte außer Schmerzen nichts gespürt!

Dass ich nichts gespürt habe, dass ich meine Periode nicht bekam, lag an einer lebensbedrohlichen Krankheit, die man im Jahre 1989 zum ersten Mal diagnostizierte. 

Wovon ich ehrlich sagen muss, ich wusste nichts von dieser Erkrankung bis zum Jahre 2002 so blieb ich im Ungewissen.

Jedenfalls gefiel es mir, wenn mein Ex-Freund zu mir kam und mir Aufmerksamkeit schenkte, das war genau das, was ich jetzt brauchte. Und umso mehr er um mich herumschwärmte umso mehr verliebte ich mich wieder mehr in ihn.

Ich versuchte ihn auch bei mir zu halten, manchmal saßen wir am Sonntag noch so lange zusammen und kuschelten und sahen Fernsehen, bis er wieder nach Hause fuhr.

Auch das er mich fast jeden Tag anrief und mir erzählte von seinen Problemen von seinem Alltag zeigte mir das er mich mögen, musste.

Wenn ich auch von Anfang an wusste, dass er mich nicht wirklich liebte und ich das dennoch ertrug, spürte ich nun ganz deutlich eine Annäherung. Allein das tat mir schon gut, gerade dann, wenn ich wieder zu tief in den Gedanken mit meiner Mutter hing.

Auch er kannte sie und sagte oft, dass es nicht gut für mich sei, so nah in ihrer Nähe zu wohnen.

Und das ich allen Scheiß für sie tun würde.

Eigentlich alle die mich kannten als ich noch klein war sagten das zu mir, sie hatten zwar Mitleid, aber das half mir reichlich wenig.

Ich hätte Hilfe brauchen können, kein Mitleid.

In den darauffolgenden Wochen beschäftigte mich der Gedanke mit meinem Ex-Freund auszubrechen, irgendwo neu anzufangen.

Doch begrub ich den Gedanken sehr schnell da ich ja wusste, dass er im Grunde nicht treu sein kann.

In diesen Momenten hasste ich mich ganz besonders, weil ich nicht so schlank war und eventuell auch nicht so intelligent, was konnte ich einem Mann schon bieten außer alle Liebe, die ich für ihn empfinde. Aber reicht das aus, einem Mann glücklich zu machen, auf Dauer?

Schnell begrub ich diesen Gedanken wieder und widmete mich demselben Spiel und denselben Teufelskreis.

Ich wartete immer auf eine positive Veränderung, aber ich wusste auch das diese Veränderung, wenn dann von mir ausgehen musste.

An den Tagen, wo ich besonders gefestigt schien, malte ich mir die Welt in 100.000 Farben und diese positive Energie steckte ich meist in die Musik.

Ich war glücklich als ich das erste Mal in unserer Stammkneipe auflegen durfte.

Ein kleiner Raum in dem ein ganzes Equipment stand, eine Tanzfläche alles da.

Als es an einem Abend mal nicht so gut lief, habe ich den DJ gesagt er solle sich mal zu seiner Freundin setzten ich werde jetzt mal auflegen, auch das, was die Leute hören wollen und nicht immer nur dein Psychotrance, davon bekommt man ja Depressionen.

Ich drehte die Orgel bis zum Anschlag, und ich suchte die Musik aus wonach ich selbst auch tanzen würde.

Ich suchte diesmal auf dem Computer so zwei bis drei Lieder aus, stellte den Player auf Autoplay und schon fing ich an zu tanzen …

Nach nur kurzer Zeit kam zuerst mein Ex rein und war schon ziemlich gut angeheitert, der Raum füllte sich und ich stieg wieder hinter dem Pult denn ich wollte die Leute ja bei Laune halten, ich tanzte einfach hinterm Pult weiter.

Die Kneipe füllte sich, denn diese lag direkt an der Bundesstraße.

Die Musik klang aus der Kneipe auf die Straße und lockte somit einheimische sowie Kurgäste an.

Ich habe bis kurz nach fünf noch alle Hände voll zu tun gehabt und der Wirt, der sonst nur bis zu zehn Leutchen drin hatte in seiner Kneipe, war jetzt leicht überfordert und bat seine Frau noch mitzuhelfen an der Theke.

Auf der Tanzfläche ging also der Bär ab, auch mein Ex-Freund freute sich dann als er ein Anruf tätigte und noch Bekannte so wie seine Mutter in die Kneipe kamen.

Irgendwann gegen sieben Uhr morgens waren wir alle kaputt, obwohl ich nichts mehr Trank außer ein Alsterwasser und Cola

Der Wirt war sichtlich erstaunt über meine Fähigkeiten und sagte, wenn das jetzt jedes Wochenende so geht, stelle ich dich hier ein als offizieller DJ.

Ich sagte aber, nicht dass ich das heute zum ersten Mal gemacht habe,

Die Ideen sprudelten mir nur so aus dem Kopf welche Platte oder welche CD nehme ich als nächstes, wann fade ich zum nächsten Titel usw. dann kam aus dem Effeff.

Als ob ich nie etwas anderes getan hätte.

Als ich an diesem Sonntagmorgen allein in meine Wohnung zurückkam, war ich überglücklich.

Denn alle waren zufrieden, und es wurde nicht so viel gesoffen, weil die meisten mehr getanzt haben.

Das erste Mal nach langer Zeit, dass ich mich wirklich fühlte, als sei ich wertvoll, ein gutes Gefühl!

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