Antidepressiva,  Selbsthass

Teufelszeug Venlafaxin Teil 2

…Jetzt dachte ich versuch es doch noch mal ganz in Ruhe, aber nein Ruhe habe ich keine und Geduld schon mal gar nicht.

Wieder setzte ich Venlafaxin von 25 mg auf 12,5 mg, nahm diese Dosis etwa zwei Wochen danach nahm ich die Kapseln Venlafaxin 75 mg und brach sie auf und zählte die Kügelchen.

Als ich zum Schluss hin nur noch bei vier oder fünf Kügelchen war bemerkte ich das ich innerlich zunehmend unruhiger wurde fast sogar aggressiv.

Ich weinte sehr oft und es schien mir so als ob mich meine Vergangenheit wieder einholen würde.

Alles kam mir wieder in den Sinn und schmerzte im Herzen und in der Seele.

Ein Schlüsselerlebnis setzte bei mir ein Dissoziativen Krampfanfall in Gang.

Ich war komplett am Ende ich fühlte mich mit Kleinigkeiten, die ich sonst immer gut hinbekommen habe überfordert und jedes Mal, wenn etwas nicht funktionierte hätte ich ausrasten können oder tat es sogar.

Das was ich mir schon als Kind angewöhnt habe, das war so mit Sieben oder acht Jahren, war das ich mich vor lauter innerer Wut in den Handrücken gebissen habe, an den beiden Zeigefingern meist so fest das es blutete.

Ich weis es hört sich wirklich makaber an aber es ist so.

Als Kind habe ich keine Messer und keine Scheren benutzt, ich wusste als Kind auch nicht wirklich woher diese Wut stammte ich hatte sie einfach und musste da irgendwie mit umgehen.

Und ich erinnere mich gut in den Momenten wo ich mich wieder gebissen hatte.

Das Verhalten ist irgendwie bis heute so geblieben.

Egal was mich herunter zieht, was mich wütend macht oder überfordert dann beiße ich zu.

Andere würden sicherlich darüber lachen, was ich einerseits sogar verstehen könnte aber die Sache an sich ist nicht zum lachen denn dahinter steckt etwas, was nicht zum Lachen ist.

Seit einigen Tagen hatte ich nun wieder mit dieser unermesslichen inneren Wut zu kämpfen, die ja eigentlich so gut wie weg war als ich Venlafaxin genommen habe.

Aber auch Freude und andere Gefühle waren nicht mehr so intensiv als in den vergangenen Tagen.

Ich bemerkte an mir das ich sogar ein paar Pfund abgenommen habe und ein paar Haarbüschel verlor.

Erst dachte ich mir na gut, beim ersten Mal absetzen war es dir körperlich schlecht, Herzschmerzen, Schwindel das Gefühl auf Watte zu laufen

Und jetzt sind diese Körperlichen Symptome weg aber dafür die Seelischen um so schlimmer.

Die Wut war von allen Symptomen die schlimmsten, dieses Gefühl ist grauenhaft und selbstzerstörerisch.

Ich wünschte niemandem und auch mir selbst nicht, dieses Gefühl spüren zu müssen. Denn es zerstört dich von innen.

Es macht dich kaputt und lässt andere in deinem Umfeld verzweifeln.

Die Hilflosigkeit und Verzweiflung standen meinen Mann ins Gesicht geschrieben und letztendlich war ich es auch. Hilflos und verzweifelt.

Vor zwei Tagen war es dann soweit das meine Wut den Höhepunkt erfasste.

Meine Hand und meine Finger waren Blau und waren wund, mir tat es in der Seele weh das mein Mann es an seinem freuen Tag auch noch mitbekommen hat.

Mir tut es fürchterlich leid, was sich für ein Besen sein kann.

Ich werde dann ein völlig anderer Mensch, ich fühlte mich als sei ich nicht ich selbst.

In dieser Situation konnte ich mich sogar in Gewaltbereite Männer hineinversetzen, wenn bei denen die Wut hoch kocht, was man ja so oft aus den Medien hört und liest.

Wahrscheinlich ist dies ebenso ein Mechanismus, dachte ich bei mir die da oben im Gehirn irgendwas aushaken lässt.

Obwohl das ist eigentlich nicht damit zu vergleichen, denn bei mir und bei vielen anderen Borderlinern hat die Wut ganz tiefe Wurzeln und hat eigentlich viel mehr mit Angst zu tun.

Aber woher genau diese Wut kommt, warum sie entstanden ist und wie man sie bekämpfen kann dem werde ich auf die Spur gehen.

Am Montag konnte ich nicht mehr ich dachte, wenn nicht irgendwas passiert dann ist es vielleicht zu spät.

Ich wollte auch nicht mehr das mein Mann das mit ansehen muss.

Deswegen bat ich ihn mit mir dabei zu sein, wenn ich Venlafaxin einnehme.

Ich hatte ein schlechtes Gefühl als ob ein Junkie wieder rückfällig geworden ist.

„geht denn heute gar nichts mehr ohne Tabletten „???

Diesmal nahm ich gleich wieder 75 mg ein.

Die Wut legte sich schon am Abend und bis jetzt hält sie sich in Grenzen.

Innerlich bin ich immer noch traurig und Sauer auf mich selbst

Aber der Hass auf mich selbst ist gedämpft nicht so aggressiv.

Ich weis nicht wie es weiter gehen soll, absolut nicht.

Ich weis nur das ich mit meinem Psychologen sprechen muss es muss einen Weg geben das ich irgendwann Venlafaxin nicht mehr brauche.

Vielleicht bin ich ohne doch nicht so stabil wie ich gedacht habe, vielleicht bin ich nur mit Venlafaxin stabil. Wenn ich jetzt auch wieder an Gewicht zunehme oder ich weis auch nicht …ich kann es momentan nicht ändern.

Dieses Gefühl sich selbst viel mehr zu hassen als alles andere auf der Welt diese innere Wut, die dich von jetzt auf gleich überkommt und du nicht weist wie du es steuern kannst das raubt dir das bisschen Kraft was du noch hast.

Bevor ich mit anderen Dingen zum Beispiel Alkohol oder sonstiges süchtig werden könnte, nehme ich dann lieber Die Antidepressiva und das Leben wird so ein wenig angenehmer auf der Gefühlsebene.

Ich werde jedenfalls die Venlafaxin nie wieder ohne Ärztliche Aufsicht absetzen

Denn ich glaube auf eigen Regie kann man viel mehr zerstören als heilen.

 

 

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