Co - Abhängigkeit,  Kinderheim

Einmal Heimkind , immer Heimkind

Von Tag zu Tag wurde ich also Selbständiger , Selbstbewusster ich habe das getan was mir die Erzieher und auch das Jugendamt geraten haben.

Ich blieb oft und gerne in Hameln und habe mich öfter zu Obdachlosen gesetzt , weil sie mir leid taten. Ich dachte nur so bei mir , so hätte ich auch Enden können.

Alle waren nett zu mir.

Und wenn es Streitereien gab am Bahnhof dann hielt man mich da raus.

Sie wussten das ich vom Heim kam und man respektierte das.

Sogar die Rechtsradikalen und die Punks akzeptierten mich einfach.

Ich musste nie Große Angst haben wenn ich in der Stadt war , denn da war immer mal jemand den ich vom Bahnhof her kannte und mich beschützte.

Bis auf ein paar Schlägereien die ich Notgedrungen mit ansehen musste , wenn die Jungs mal wieder zu tief ins Glas geschaut hatten.

Das geschah dann meist in der Nähe vom Bahnhof in irgendwelchen Häuserreihen oder direkt auf dem Schulhof.

Niemand wollte sich dort einmischen wenn sich die Nazis und die Punks prügelten.

Ich versuchte da ich mitten dazwischen stand, zu rufen: „lasst das sein , das bringt doch nichts“.

Man schob mich dann sachte beiseite und ehe ich mich versah , hatte einer schon wieder die nächste Faust im Gesicht.

Ab und an gingen wir auch in ein Jugendtreff das da Sumpfblume hieß

Damals traf sich dort noch alles , egal welcher Rasse welcher Herkunft und egal welcher Religion oder egal welchem Trend sie nacheiferten.

Dort gab es dann auch immer Rangeleien. Aber dennoch war es auch schön ein Teil vom großen und ganzen zu sein. Zum Größten Teil war alles Familiär und jeder gehörte zu jedem , man teilte nur nicht die gleiche Einstellung zum Leben.

Mit Alkohol und Drogen brachte man mich zum Glück nie in Berührung in dieser Zeit.

Irgendwie wollten mich alle immer schützen, egal ob es die Punks oder die Rechtsradikalen waren.

Letztendlich hockten sie wieder gemeinsam am Bahnhof und tranken ihr Dosenbier, ich saß dann dazwischen und hörte mir ihre Lebensgeschichte an.

Und wir hörten gemeinsam Musik Böhse Onkelz oder die Ärzte und die Toten Hosen.

Meine Mutter kam mich dann ab und an Besuchen sogar an meinem Geburtstag mit unseren Nachbarn. Sie konnte es wiedermal nicht sein lassen und war betrunken.

Es kam dann die Zeit das ich Sonntags zu meiner Mutter fahren durfte , anfangs nur für einen Tag und später dann auch übers Wochenende.

Ein Erzieher brachte mich dann immer nach Hause bis wir das ganze eines Tages mit dem Zug übten sodass ich auch alleine mit dem Zug nach Hause fahren konnte.

Weil ich ja unbedingt nach Hause wollte , habe ich mich aufgerafft und versucht meine Angst vor dem Zug fahren zu unterdrücken.

Was mir auch ganz gut , nach und nach gelungen ist.

Anfang August 1994 bin ich dann auf meinen Wunsch hin nach Paderborn gekommen in die Berufs-vorbereitenden Maßnahmen vom Arbeitsamt auf das Ziel hin zu arbeiten, eine Ausbildung oder einen Job zu bekommen mit begleiteten Berufsschulabschluss.

Ich bin die ersten vierzehn Tage nirgends hin gefahren , nicht ins Heim und auch nicht nach Hause. Ich sollte mich an die neue Umgebung erst einmal gewöhnen.

Alle vierzehn Tage bin ich dann wieder zu meiner Mutter über das Wochenende gefahren und im Wechsel dazwischen bin ich ins Heim gefahren.

Wenn ich bei meiner Mutter war , war es besonders schlimm denn wenn ich ankam war sie meist schon betrunken.

Außer wenn ich erst vorher im Heim war und mich ein Erzieher mit nahm dann trank sie meist nichts als wir gemeinsam zusammen in der Wohnung saßen.

Erst später als der Erzieher weg war , kramte sie ihr Bier und manchmal auch Korn wieder hervor.

Oder wir mussten erst noch einkaufen gehen, weil kein Alkohol mehr da war.

Ich war die ganze Zeit über Traurig und meine Mutter sagte mal einmal zu mir als sie Zuviel getrunken hatte.

Ich soll doch wieder ins Heim gehen wenn ich das nicht mit ansehen kann, es wäre ihr Ding und ihre Sache da würde ihr keiner mehr rein reden.

Ich habe das dann einfach so hingenommen ich war einfach fertig.

Wenn ich jetzt nicht ein bisschen nur an mich denke dann würde ich gleich einpacken können.

Ich musste mich also zusammenreißen und versuchen alles zu überstehen, auch wenn meine Mutter die ich immer noch liebte,  mich manchmal mit ihren Worten und Blicken fertig machte. Ich versuchte so gut es geht darüber zu stehen.

Aber nicht immer gelang es mir und schrie manchmal einfach drauf los.

Dann kam nur der Satz „ Ich hätte mich so zum Nachteil verändert, ich wäre nicht mehr lieb. Einmal sagte sie – ich wäre nicht mehr ihr Kind.

Das hatte mich so stark verletzt , das ich ihr sagte das ich nächstes Wochenende nicht kommen werde.

Aber es dauerte nur einen Moment und ich bekam wieder dieses Schlechte Gewissen

Und es tat mir leid was ich ihr antat, vielleicht habe ich mich ja wirklich verändert.

Anstatt irgendwie mit jemanden reden zu können war ich wieder alleine und verletzte mich um diesen inneren Schmerz irgendwie los zu werden.

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