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Vivil Minz Pastillen und die Heimliche Veränderung Teil 2

Ich überlebte die Nacht.
Ich fühlte mich wie in Watte gepackt, doch in mir drin keimte gleich wieder die Angst auf, die große Angst um meine Mutter.
Das war das einzige was mir durch den Kopf ging.
Vor lauter Sorge um sie, was sie wohl gerade macht und ob es ihr gut geht drückte ich den roten Knopf den man mir in die Hand gelegt hatte.
Eine Schwester kam rein und sagte
„Hallo, kleines da bist du ja wieder“
Wir hätten dich beinahe verloren, aber du hast gekämpft bis zum letzten Atemzug.
Es ist schön das du wieder bei uns bist.
Der Stationsarzt kommt auch gleich, meinte sie.
Und ich habe noch eine Überraschung für dich,… Schlagartig dachte ich an meine Mutter –
Schau mal wer da auf dich gewartet hat…
Ich schaute zu Tür, die Krankenschwester rief den Besuch zu mir ins Zimmer.
Es war meine Mama.
Ich war überglücklich als ich spürte und sah das sie nichts getrunken hatte. Sie war so lieb zu mir.
Ich war Gott so dankbar dafür, daß ich die ganze Welt umarmen konnte.
Meine Mutter, nahm mich in den Arm, die ganzen Schläuche störten dabei, aber es machte mir nichts aus.
Hauptsache war für mich das sie da war und das ganz Nüchtern.
Mama küsste mich und streichelte meinen Kopf.
Sie fragte ob ich was brauche, mal eine Flasche Saft oder ein paar Kekse.
Aber all das wollte ich nicht.
Ich wollte nur meine Mama im Arm halten und am liebsten nie wieder loslassen.
Dann kam der Stationsarzt.
Dieser meinte, daß es in der Nacht zu Komplikationen gekommen sei.
Das Mädchen hatte arg zu kämpfen, sagte er zu meiner Mutter.
Wir haben sie Reanimiert und für einige Zeit Beatmen müssen.
Zudem mussten wir sie mit Atosil Tropfen und Valium Zäpfchen sedieren, weil sie sehr unruhig war und auch immer im Schlaf nach ihnen gerufen hat.
Heute Mittag geht es ihr wieder viel besser, es ist wie ein Wunder.
Ihr Mädchen ist sehr krank, aber auch sehr stark. Sie kann es schaffen.
Ich empfehle ihrer Tochter eine längere Kur in Bad Lippspringe
Dies ist ein Heilklimatischer Kurort dort wird sie rund um die Uhr betreut und medizinisch versorgt.
„Ich war schon mehr in Krankenhäusern als Zuhause und jetzt sollte ich nochmal weg und dann gleich für längere Zeit?“
Ich bekam vom Zuhören schon Heimweh.
Meine Mutter fand die Idee von dem Arzt beim zweiten überlegen nicht so schlecht.
Sie sagte : „Wenn es dir dann hinterher wieder besser geht und du vielleicht keine Medikamente mehr brauchst, dann musst du auch nicht mehr so oft ins Krankenhaus“
Ich weiß nicht mehr so genau ob ich wirklich zustimmte, aber das letzte Wort hatte ja sowieso meine Mutter.
Ich dachte an dem Tag tatsächlich, das meine Mutter nun nicht mehr trinken würde.
Das sie endlich auch wegen mir, weil ich schwer an Asthma erkrankt bin und weil ich ihre Tochter bin, aufhört zu trinken.
Sie war den ganzen Tag bei mir, sie ging nur drei Mal Runter und kam schnell wieder hoch.
Ich roch das es nur Zigaretten waren die ich wahrgenommen hatte, ich roch keinen Alkohol.
Ich war an diesem Tag so erleichtert nun fiel ein ganzer Meteorit von meinem Herzen.
Nach zwei Tagen wurde ich in die Kurklinik Cecilienstift in Bad Lippspringe untergebracht.
(Leider gibt es die Klinik heute nicht mehr.)
Nach mehreren Wochen der Gesundung kam mich meine Oma besuchen.
Sie war ein wenig Abwesend, aber ich glaube sie freute mich zu sehen.
Sie erzählte ein bisschen von Zuhause und was meine Cousinen so machen.
Nur von Mama, sagte sie nichts außer das sie vor ein paar Tagen bei ihr war.
Ihr Gesicht, zog sich in dem Moment zu einer Traurigen und Ernsten Miene.
Oma sagte, daß Mama mich bald bestimmt besuchen würde.
Oma war etwa zwei Stunden bei mir.
Sie brachte mir meine Lieblingskekse mit, die man mir später geklaut hatte.
Ich war knapp Neun Monate in dieser Kurklinik und besuchte die Hauseigene Schule.
Oft musste ich auch in ein anderes Gebäude, die Klinik hieß
Auguste-Viktoria-Klinik dort wurden dann wieder andere Untersuchungen durchgeführt.
Es war Sonntag und ich wusste das meine Mutter mich besuchen wollte.
Die Diensthabenden Schwestern haben mir das ausgerichtet.
Ich freute mich zwar, aber trotzdem hatte ich gleich wieder dieses Mulmige Gefühl, die Angst das Mama wieder trinken könnte.
Etwa gegen 15 Uhr wartete ich auf meine Mutter.
Sie kam wieder zu spät und da wusste ich schon was mir blühte.
Ich dachte so bei mir.
Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Cirka eine Stunde später kam sie mit einem Taxi vorgefahren und vom weiten blinzelte sie mich an.
Da wusste ich schon was los war.
Meine Mutter stieg aus dem Taxi aus und sagte, „Na Engelchen, wie geht es dir denn?
Ich tat so als sei alles in Ordnung und nahm sie in den Arm.
Meine Mutter meinte, lass uns ein bißchen Spazieren gehen?
Ich habe daraufhin gesagt das ich aber im Diendtzimmer bescheid geben müsste.
So tat ich dies und wir gingen am Waldesrand entlang.
Meine Mutter hatte getrunken, das stand außer Frage.
Aber zum Glück noch nicht soviel das sie nicht mehr laufen konnte.
Irgendwann nach ein paar Minuten fragte mich meine Mutter ob ich nicht mal etwas auf den Hügeln zwischen den Bäumen spielen mochte.
Ich fragte mich, was das soll, warum soll ich ausgerechnet dann spielen wenn meine Mutter da ist…
Aber ich tat was sie sagte, um zu sehen was sie macht wenn sie denkt, daß ich sie nicht sehe.
Ich versteckte mich hinter den Hügeln.
Und blinzelte hervor.
Meine Mutter sah in dem Moment aus wie ein Detektiv der ganz langsam aus der Jacke seinen Revolver holte, nur war es kein Revolver, sondern ein Flachmann. Ich hörte den Schraubverschluss knacken. Und da wusste ich mit Sicherheit was los war.
Sie nahm ein paar Schlucke, trank das Zeug wie Wasser.
Zitterte am ganzen Leib und, guckte sich schnell um und drehte die Flasche wieder zu.
Schnell holte sie aus ihrer Tasche diese Minz Pastillen.
Sie warf sich ein oder zwei davon in den Mund.
So ging das den ganzen Nachmittag…
Immer wenn sie was trank holte sie diese Vivil Minz Pastillen aus der Tasche.
Ja wie dumm muss denn sein wenn man nicht nur am Geruch merkt das jemand gesoffen hat.
Man merkt es ja auch an der Mimik, an der Gestik, am Gangbild und an so vielem mehr.
Ich spürte schon bei einem Glas Bier wenn meine Mutter getrunken hatte.
Ich spürte alles, auch ihren Hass ihre Wut, die Trauer dahinter und die Verbitterung.
Damals konnte ich noch nicht wissen warum sie trank.
Ich sah es nur immer und immer wieder.
Nur selten gab es Tage die sie nüchtern verbrachte.
Das meistens nur weil sie sich einen Tag davor ekelte bis die Sucht wieder hochkam oder sie kein Geld mehr hatte.
Als sie schon den zweiten Flachmann zur Hälfte leer hatte, gingen wir allmählich zurück sie rief mich und ich war wieder sehr traurig.
Meine Mutter fragte was denn jetzt schon wieder los sei.
Sie hätte extra, um mich zu sehen das teure Taxi genommen.
Und in welchem Ton sie das sagte.
Sie blitzte mich böse an.
Und ich sagte ihr mit traurigen Augen das ich Heimweh habe.
Ich wusste genau wenn ich ihr nun die Wahrheit sagen würde, das ich traurig bin das sie getrunken hat, dann würde sie richtig böse werden.
So verheimlichte ich ihr meine Ängste und meine Sorgen um sie.
Dann nahm sie mich halbherzig in den Arm und sagte, daß sie das versteht. Aber du musst gesund werden, Kind.
Es gab keine richtige Umarmung und auch kein Küsschen zum Abschied. Sie stieg ins bestellte Taxi und winkte nur ein einziges Mal und ließ mich allein an der Kurklinik zurück.
Ich saß noch einige Zeit draußen und überlegte was meine Mama wohl jetzt gleich zuhause machen würde wenn sie heimkommt.
Ich malte mir die schlimmsten Szenarien durch.
In dem Moment kam eine Schwester die zu mir sagte, ob der Nachmittag schön war, mit meiner Mutter.
Ich nickte nur.
Sie sagte, geh ins Zimmer undjolk zieh deine Jacke aus, dann wasch dir die Hände und komm runter zum Abendessen.
Ich ging wie paralysiert zu meinem Zimmer.
Ich wusch meine Hände und zog meine Jacke aus, als ich spürte das etwas in meiner rechten Jackentasche war, schaute ich nach.
Es war eine ungeöffnete Rolle
Vivil Minz Pastillen.

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