Angst,  Co - Abhängigkeit,  Kinderheim

Eingewöhnungsphase „als Heimkind“

Das Heim.
Wenn ich mich heute, an damals zurück erinnere dann mit  einem weinenden und einem Zwinkernden Auge und am liebsten würde ich mich nicht wieder daran erinnern.
In den ersten Tagen war ich voller Angst um meine Mutter.

Die Sorgen die ich mir um sie machte waren beinahe unerträglich, manchmal ist es mir gelungen den Blickwinkel etwas auf mich zu richten, es war ein komisches Gefühl mit sich selbst zu konfrontieren, denn schließlich ging es nun nur noch um mich.

ich war es die Weg gekommen war, ohne irgendwelchen Bekannten neu anfangen musste.

In den Momenten wo ich mich im Heim, versuchte einzubringen und auch mit anderen Kindern und Jugendlichen zusammen war konnte ich für einige Momente meine Mutter und das Leid verdrängen was ich zuvor erlebte.

Meist Abends wenn ich in meinem Einzelzimmer alleine auf meinem Bett saß , überkam mich das Heimweh und die Große Sorge wie es meiner Mutter gehen könnte.

Ich weiß ich war wohl anders als alle anderen Kinder , welches Kind liebte ihre Mutter so abgöttisch allein nachdem was alles geschehen ist.
Die Tage vergingen schnell, einige Kinder wurden entlassen dafür kamen vereinzelt mal ein paar neue.

Zum größten Teil habe ich mich zurückgezogen, da ich den Umgang mit gleichaltrigen Jugendlichen überhaupt nicht gewohnt war.
Ich denke dass ich sehr ängstlich war was die Konfrontationen mit einigen Mitbewohnern betraf.
Am liebsten wollte ich die eher aggressiven Jugendlichen aus dem Weg gehen und sie sollten mich einfach nur in Ruhe lassen.

Ich hatte auch keine wirkliche Lust auf Kontakte da ich zu sehr mit den Dingen die Zuhause abliefen beschäftigt war. Meine Vergangenheit beschäftigte mich immer mehr , ich spürte das etwas ganz anders im Heim war als Zuhause.

Wenn mir auch die Wärme und die Liebe meiner Mutter so sehr fehlte , so bekam ich ab und an, An ihren guten Tagen eine Umarmung oder ein liebes Wort, das war hier irgendwie ganz anders. Man wurde zwar ab und zu gelobt aber ich konnte lange keine Intensivere Bindung zu Betreuern und Erziehern aufbringen, da meine Mutter alles für mich war. Ich wollte auch niemanden mehr, gern haben als meine Mutter , ich hatte ein schlechtes Gewissen wenn ich jemand anderes in den Arm nehmen würde.
Ab und zu kam  Herr Hammermeister   vom Jugendamt zu mir, um mich zu besuchen, meist aber redete er mit den Erziehern.

Doch am Schluss, gab er mir manchmal einen kleinen Brief von meiner Mutter.
Darin stand so viel wie

„ Hallo mein liebes Kind, ich hoffe es geht dir gut“ ?!
Leider kannst du nicht bei mir sein, Ich wünschte ich wüsste wo du bist und was du machst und ob es dir gut geht.

Wo immer du auch bist ich denke jeden Tag und jede Stunde und jede Sekunde an dich.
Ich hab dich lieb, Deine Mama
Das mir nach diesen Zeilen, die Tränen kamen war eigentlich voraus zu sehen
Nur oft war es so dass ich die Tränen kurzerhand wieder unterdrücken musste, weil ich nicht wollte das andere Kinder mich so sehen.

Es war Grauenvoll!
Die Weihnachtszeit schritt immer näher und bald sollte ich ohne meine Mutter Heilig Abend feiern. Das war der schlimmste Gedanke, …Kann sich keiner vorstellen was für welche Gefühle da in mir hoch kamen.
Das erste Weihnachtsfest ohne meine Mutter und ohne meine Oma.
Bisweilen hatte ich nicht einen einzigen Kontakt mit meiner Mutter oder meiner Oma.
Ich durfte an Weihnachten noch nicht mal anrufen.

Ich fühlte mich wie eingesperrt und das nahm mir die Luft zum Atmen.
Ich hatte mir das Weihnachtsfest im Heim schrecklich vorgestellt, ich wollte mir so gerne den glauben an einem Christkind bewahren.
Ich wusste aber das die älteren nicht mehr daran glaubten und so warteten alle nur auf die Geschenke und Weihnachten hatte für die älteren keine Bedeutung mehr.
Dennoch wurde das Weihnachtsfest anders als zuerst angenommen.
Ich habe mich geschämt dass ich auch dann, für einige male nicht an meine Mutter gedachte habe.
Wir haben ein Spiel gespielt unter dem Weihnachtsbaum, es wurde gewürfelt welches Kind als nächstes sein Geschenk auspacken darf.
Das kannte ich nicht, so wie das Abendessen. Bei meiner Mutter gab es immer Ente oder einen Rinderbraten.

Und nun gab es so ein komisches Essen mit Gemüse aus der Dose und Fleischsorten klein geschnitten, Raclette nannten es alle und freuten sich total darauf  – das kannte ich überhaupt nicht. Was war das????

Ich bestand darauf das ein Braten an Weihnachten das schönste war , eventuell habe ich mich arrogant angehört oder kam so rüber. „Aber wat der Bauer nicht kennt , ditt frisst er nicht!“ Oder doch , mit blieb ja nix anderes übrig , letztendlich war es doch ganz gemütlich und auch gar nicht so Unlecker !!!
Ich bekam drei Geschenke, und genau das was ich mir ein paar Tage zuvor auf einen Wunschzettel geschrieben hatte.

Wann bekam ich schon genau das was ich mir wünschte, natürlich hat meine Mutter versucht mir immer alles so schön wie möglich , zu bereiten und auch kleinere Wünsche zu erfüllen.

Aber da ich ja eh nicht Anspruchsvoll war , ließ ich mich auch gerne Überraschen.
Ich bekam eine Kassette von New Kids on the Block meine damalige Lieblings Boyband und ein Kassettenspieler
Und was zum Anziehen. Über diese Geschenke war ich überglücklich soviel auf einmal!!

Mich plagte wieder das schlechte Gewissen.

Ich bleibe dabei Mamas Weihnachten sind die schönsten.
Aber ich lief dann doch gleich in meinem Zimmer die Kassette spielte ich mehrere male ab die Lautstärke so weit nach oben ,was  quasi der Kasten hergab und beinahe durch das ganze Heim schallte.

Die Erzieher störten sich nicht dran sie sagten sogar einmal das wäre eine gute Therapie für mich. Also hätten sie keine Einwände solange ich nur nicht übertreibe.
Also war für mich Musik die Heilung so mancher seelischer Schmerzen.

2 Kommentare

  • Benita Wiese (Pseudonym)

    Hallo Seelenkind,

    es tut gut zu lesen, wie du das Heimleben erlebt hast und dass es eben auch sehr schwierig für dich war. Ich wollte ab meinem 14. LJ immer weg von meinen Eltern, hatte aber nie eine Idee, wie es denn wäre, weg zu sein. Stellte es mir nur so vor, als wären dann alle Probleme gelöst. Danke dafür, dass du mir einen Einblick erlaubst. Kindheit ist immer schwierig, wenn Eltern sehr große Probleme mit sich selbst haben.

    Liebe Grüße
    „Benita“

    • Seelenkind

      Liebe Benita, sicherlich sind bei weitem die Probleme nicht weg nur weil man ins Heim geht. Meist fangen die Probleme erst richtig an. Es war eine Schlimme Zeit dort, aber er gab auch mal ein paar gute Zeiten. Es hat mich stark geprägt. Und keinem Kind auf der Welt wünsche ich das zu erleben, was ich durchlebt hab.

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