Borderline

Wege aus der Einsamkeit

 

Einsamkeit hat viele Gesichter. Allen gemeinsam ist: man fühlt sich ausgeschlossen, ungeliebt und nicht zugehörig. Die Einsamkeit wird meist von körperlichen und seelischen Beschwerden begleitet. Wie die innere Leere füllen & die Einsamkeit überwinden?

Viele Menschen fühlen sich einsam, ungeliebt, alleingelassen, nicht verstanden, verloren und vom Leben abgeschnitten.
Die Angst, einsam und alleine zu sein und keine Freunde zu haben, kommt für viele Menschen gleich hinter der Angst vor einer Krankheit und der Angst, seine Arbeitsstelle zu verlieren.
Beim Gedanken an das Alter geben rund die Hälfte aller Menschen an, sie haben Angst vor der Einsamkeit im Alter.
Ein Leben in Einsamkeit erleben viele Menschen schmerzhafter als eine körperliche Erkrankung.
Warum fühlen sich in einer Zeit,
in der wir per Email und SMS in wenigen Sekunden mit anderen kommunizieren können,
mit dem Handy jederzeit erreichbar sind und andere erreichen können,
uns auf sozialen Plattformen und in Foren zu jeder Tages- und Nachtzeit mit anderen austauschen können,
immer mehr Menschen einsam und sozial isoliert?
Warum verhungern Menschen seelisch, haben Angst vor Einsamkeit und empfinden eine unstillbare Sehnsucht nach emotionaler Nähe und Beziehungen?

Wie Einsamkeitsgefühle entstehen
Viele Menschen verwechseln Einsamkeit mit Singlesein oder Alleinsein. Sie glauben, dass sie sich zwangsläufig einsam fühlen müssen, wenn sie keinen Partner haben. Doch dem ist nicht so.
Sicher haben Sie auch schon einmal erlebt, dass Sie sich im Kreise vieler Menschen einsam und ausgeschlossen gefühlt haben.
Andererseits haben Sie sich sicher auch schon einmal danach gesehnt, allein mit sich zu sein und die Ruhe zu genießen.
Ob wir uns einsam fühlen oder nicht, hängt also nicht so sehr davon ab, ob wir Single sind, sondern von unserer inneren Einstellung.
Single-sein muss nicht Einsamkeit bedeuten. Alleinsein kann je nach innerer Einstellung sowohl als wohltuend oder als bestrafend erlebt werden.
Von Einsamkeit sprechen wir dann, wenn wir das Alleinsein oder Zusammensein mit anderen als Ausgeschlossensein und Verlassensein erleben.
Eine Betroffene beschreibt ihre Einsamkeit so:
Ich sitze bei Freunden, bei Menschen, die mich lieben und schätzen und die mir das auch immer wieder sagen, aber ich fühle mich trotzdem einsam in deren Gegenwart.
Ich fühle mich so einsam und alleine. Ich fühle mich von aller Welt verlassen. Woher kommt diese Einsamkeit? Das zieht mich richtig runter, dass ich nichts dagegen tun kann. Zuhause, wenn ich alleine bin, habe ich das Gefühl als würde mir etwas fehlen, das ich vermisse. Ich komme jedoch nicht darauf, was das sein könnte. Ich weiß nicht, was mich einsam machen könnte.
Einsamkeitsgefühle können auftreten, auch wenn wir
verheiratet oder in einer festen Beziehung sind,
arbeiten gehen,
jung sind,
Kinder oder Enkelkinder haben,
uns in Gesellschaft anderer Menschen befinden
im Internet in sozialen Netzwerken aktiv sind.
Die drei Phasen der Einsamkeit

  1. Die momentane, vorübergehende Einsamkeit
    Die Einsamkeitsgefühle dauern nur kurze Zeit und sind eine Reaktion auf äußere Umstände wie beispielsweise einen Umzug, einen Krankenhausaufenthalt, Arbeitslosigkeit, den Auszug der Kinder.
    Ausgelöst durch diese Ereignisse können wir von dem Kontakt mit anderen uns vertrauten Menschen abgeschnitten sein.
    Diese Phase der Einsamkeit ist nicht schädlich, sondern kann hilfreich sein, um uns an neue Umstände anzupassen. Sie deutet eine Veränderung in unserem Leben an.
  2. Der langsame Rückzug
    Die Einsamkeit beginnt, unser Dauerbegleiter zu sein. Unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und uns mit anderen Menschen zu unterhalten, nehmen langsam ab. Wir verlernen zu lächeln und über Alltäglichkeiten zu reden.
  3. Die chronische Einsamkeit
    Die Einsamkeitsgefühle dauern Monate oder gar Jahre. Wir versteinern. Unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und Beziehungen aufrechtzuerhalten, für andere attraktiv zu sein, Anerkennung anzunehmen und zu geben, sind verschwunden.
    Unsere Mitmenschen wissen nichts mehr mit uns anzufangen.
    Wir fühlen uns abgelehnt, überflüssig und unattraktiv und verlieren immer mehr das Vertrauen in unsere Fähigkeiten.
    Wir ziehen uns zurück oder werden anderen gegenüber immer „giftiger“ und gereizter. Wir sind im Gefängnis der Einsamkeit und Isolation gefangen.
    Was macht uns für Einsamkeitsgefühle empfänglich?
    Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ganz bestimmte negative Einstellungen uns für Einsamkeitsgefühle empfänglich machen.
    Menschen, die sich einsam fühlen, glauben, nicht liebenswert zu sein. Sie haben Gedanken wie:
    „Ich bin allen gleichgültig“.
    „Ich habe niemanden, also habe ich nichts zu bieten, was für andere interessant ist“.
    „Ich bin nicht attraktiv“.
    „Niemand versteht mich“.
    „Mit mir muss etwas nicht stimmen“.
    Außerdem leiden sie unter einer starken Angst vor Ablehnung, d.h sind extrem abhängig vom Urteil ihrer Mitmenschen.
    Sie warten auf die Initiative anderer, ihnen mit Lob und Zuspruch entgegenzukommen, weil sie das Risiko fürchten. Manchmal wirken sie nach außen arrogant und kein Mensch scheint ihnen gut genug zu sein.
    Menschen, die mit sich allein zufrieden sein können, aber auch im Kontakt zu anderen Menschen stehen, zeichnen sich durch folgende Einstellungen und Verhaltensweisen aus:
    Sie können sich selbst annehmen und glauben, anderen Menschen etwas geben zu können.
    Sie können damit umgehen, dass andere sie ablehnen und ihre Schwächen erkennen.
    Sie können andere Menschen mit ihren Schwächen akzeptieren.
    Wege aus der inneren Einsamkeit – wie das Gefühl der Einsamkeit überwinden?
    Einsamkeitsgefühle sind ein Alarmsignal der Psyche, dass sich in Ihrem Leben etwas geändert hat und/oder Ihre sozialen und emotionalen Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
    Nehmen Sie Ihre Einsamkeitsgefühle zum Anlaß, zu lernen,
    das Alleinsein und das Singlesein mehr zu genießen
    mehr auf andere Menschen zuzugehen.
    TIPP 1. Behandeln Sie sich liebevoll wie einen guten Freund.
    Wenn Sie beispielsweise die Einstellung haben, dass es sich nicht lohnt, für Sie als Single etwas Schönes zu kochen oder den Tisch zu decken, dass der Spaziergang alleine keine Freude machen kann und Sie deshalb zuhause bleiben können, dann behandeln Sie sich abschätzig.
    Seien Sie es sich „wert“, sich selbst etwas Gutes zu tun.

TIPP 2. Tun Sie anderen etwas Gutes.
Wenn Sie anderen etwas schenken, Zeit, Interesse, Aufmerksamkeit oder ein Lächeln, dann tun Sie auch sich etwas Gutes. Sie verspüren ein befriedigendes und gutes Gefühl.

TIPP 3. Verlassen Sie Ihr Schneckenhaus und nehmen Kontakt zu anderen Menschen auf.
Erwarten Sie von sich keine „hochgeistigen“ Gespräche, denn sonst nehmen Sie keinen Kontakt zu anderen auf. Beginnen Sie mit dem Nachbarn, dem Verkäufer im Supermarkt, dem Gemüsehändler auf dem Markt, über Alltägliches zu reden: das Wetter, Fernsehprogramm, einen Zeitschriftenartikel, den Sie gelesen haben.
Wenn soziale Ängste und Schüchternheit der Grund für Ihre soziale Isolation sind, dann lernen Sie zunächst, unverkrampfter auf andere zuzugehen. >>> TIPPS FÜR DIE KONTAKTAUFNAHME

TIPP 4. Interessieren Sie sich für den anderen, seine Person, seine Familie, die Kinder und erzählen Sie etwas von sich. Hierdurch haben Sie den Eindruck, dazuzugehören und fühlen sich weniger sozial isoliert und ausgeschlossen.

TIPP 5. Stellen Sie an Ihre Umwelt keine hohen Erwartungen.
Mit dem einen Menschen können Sie über die Kinder reden, mit dem anderen Spaziergänge machen. Ein einzelner Mensch wird nicht all Ihre emotionalen Bedürfnisse erfüllen.

Zitat Einsamkeit
Ein Mensch kann einsam sein, auch wenn er von vielen geliebt wird.

TIPP 6. Suchen Sie einen Sinn für Ihr Leben, eine Aufgabe wie etwa eineehrenamtliche Betätigung.
Wenn Sie sich eine Aufgabe geben, werden Sie hierdurch Kontakt finden und sich auch wichtig fühlen. Ihr Leben wird eine Perspektive haben.

TIPP 7. Suchen Sie sich eine Beschäftigung, mit der Sie die Zeit sinnvoll füllen können. Ein Hobby wie etwa etwas sammeln, etwas basteln, etwas malen, usw.
Welche Interessen und Hobbys haben Sie? Machen Sie eine Liste und schauen dann, wo Sie Menschen mit ähnlichen Interessen kennenlernen können.
Wenn Sie z.B. gerne Schach spielen, dann informieren Sie sich über Schachclubs in Ihrer Stadt und besuchen diese. Wenn Sie sich fürs Kochen interessieren, schauen Sie, welche Events hierzu in Ihrer Stadt angeboten werden.

TIPP 8. Hat es nicht auch Vorteile, alleine zu sein? Hier einige mögliche Vorteile des Alleinseins:
keine Rücksicht nehmen müssen, tun und lassen können, was man möchte z.B. alles stehen und liegen lassen, wenn man keine Lust hat, aufzuräumen, ins Bett gehen, wenn man Lust hat, sich nicht zurechtmachen müssen.
sich nicht nach anderen und deren Wünschen und Bedürfnissen richten müssen,
sich die Zeit so einteilen können, wie man Lust und Laune hat.
Fallen Ihnen noch weitere Vorteile ein? Machen Sie eine Liste der Vorteile, alleine zu sein, die Sie hervorholen können, wenn Ihnen mal wieder die Decke auf den Kopf fällt.
Ganz wichtig: Alleinsein und sich selbst genug sein will gelernt sein.

TIPP 9. Denken Sie daran: Sie benötigen andere Menschen nicht, um zufrieden zu sein. Sie machen sich Ihre schlechten Gefühle durch Ihre Gedanken, indem Sie sich z.B. einreden, nicht liebenswert oder für andere nicht interessant zu sein. Wenn Sie so von sich denken, fühlen Sie sich auch im Beisein anderer einsam und ausgeschlossen.
Wenn Sie sich einsam fühlen, dann sind Sie sowohl der Gefangene als auch der Gefängniswärter. Durch Ihre Gedanken halten den Schlüssel in Ihrer Hand, Ihre Einsamkeit zu überwinden.

TIPP 10. Gehen Sie mit der Zeit
Seien Sie aufgeschlossen für alles Neue (Handy, Computer, Musik) und die kulturellen Angebote an Ihrem Wohnort. Wenn Sie sich den vielfältigen Angeboten verschließen, weil Sie sich z.B. für zu alt halten, dann isolieren Sie sich.

Kann man sich vor Einsamkeit schützen?
Nein. Gelegentliche Einsamkeitsgefühle spüren wir alle immer mal wieder. Wir können aber Vorsorge treffen, dass wir nicht in eine chronische Einsamkeit verfallen und vereinsamen. Wir können
unseren Freundeskreis pflegen
Problemlösestrategien aus- und aufbauen
Entspannungstechniken erlernen
lernen, um Hilfe zu bitten
uns trauen, therapeutische Unterstützung zu holen
unser Selbstwertgefühl stärken
andere Menschen mit ihren Schwächen annehmen und keine allzu hohen Forderungen an diese stellen
Angst vor Neuem zulassen und es dennoch tun
andere durch Zuwendung und Interesse beschenken – dies gibt ein gutes Gefühl.
ehrenamtlich tätig sein.

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