Alkoholabhängigkeit,  Angst,  Co - Abhängigkeit,  Selbsthass,  Vergangenheit

Der Teufel Alkohol und ich

Eigentlich ging es mir wieder recht gut, die Seele schmerzte nicht mehr. Und der letzte Flashback ist ein paar Wochen lang her. Ich versuchte mein Leben zu ordnen und in die richtigen Bahnen zu lenken. Bis zu dem Tag, der wieder alles Umriss, von jetzt auf gleich. Ich spürte wieder diese Hilflosigkeit, dieser Schmerz und eine große Angst. Warum dachte ich nur kann mich das so aus der Bahn werfen? Am Sonntag den ersten Advent, stand ich mit meinem Mann in einer Holzhütte und verkauften Selbstgemachte Hamburger. Und andere tolle Basteleien der Selbsthilfegruppe. Als sich das Geschäft dem Ende näherte, kamen zu uns auf einmal ein Pärchen das ganz schön viel Glühwein gebechert haben muss.
Die Frau konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Und fiel auch immer wieder zu Boden. Als ich das sah, war mir nicht zumute irgendein Wort mit ihnen zu wechseln. Aber sie quatschten mich und die restlichen der Gruppe zu. Irgendwann wurde es jedem dort zu Bunt und auch ich war innerlich wie versteinert, ich sah in diesem Augenblick tausend Bilder meiner Vergangenheit. Irgendwann, inmitten diesem Chaos hob ich die Frau auf die schon wieder gefallen war und setze diese auf einer Bank. Damit war dann leider auch noch nicht Schluss. Mir gingen die Knie, im Inneren meines Herzens fielen Tränen, die ich wie früher niemals zeigte. Ich schluckte nur und tat so als sei alles in Ordnung. Meine Mutter, ich sah sie wie sie früher in die Küche ging, ich höre noch wie sie von der Flasche Korn den Schraubverschluss aufmachte. Ich höre wie sie trinkt, und ich rieche es. Dann kam sie wieder zu mir und ich spürte dieser Tag würde kein Gutes Ende nehmen. Jedes Mal wenn sie kam, veränderte sie sich wieder. Und ihr Blick, war nicht mehr klar.
Es tat mir so im Herzen weh. Warum musste das sein. Und immer wenn sie total zu war, erklärte sie mir das sie das tun würde weil ich ja so schwer krank wäre. Dabei, hat sie doch mit daran Schuld das ich so krank wurde. So weiß ich heute. Immer wenn es Schwierigkeiten gab, oder ich krank wurde dann griff sie zur Flasche. Jedes Mal wenn ich das knacken hörte wusste ich was mir blühte. Meine Mutter hat mich nie geschlagen, aber das was sie tat hat oft mehr weh getan, wie Schläge. Ihre Art, wie sie sich veränderte ihre melancholische und zynische Seite ihre unbändige Wut und manchmal spürte ich auch Hass mir gegenüber. Irgendwann mit Acht Jahren, glaube ich, fing ich an mich in den Handrücken zu beißen. So fest bis ich nicht mehr konnte. Ich hab mich so dermaßen selbst gehasst, obwohl das tue ich auch heute noch. Dieser Druck dem ich damals stand halten musste, irgendwie musste ich ja überleben. Für meine Mutter tat ich das. Denn ich wusste auch das sie ganz anders sein konnte. Lieb und Herzlich. So bekam ich oft Zuckerbrot und Peitsche, einmal wurde ich überbehütet und einmal war ich der letzte Dreck. Und ich bin mir fast sicher das daher auch dieses Schwarz/Weiß denken kommt. Vieles was Erwachsene Kindern an Symptomen haben, haben auch Borderliner, oder umgekehrt. Vieleicht hängt das alles bei mir zusammen. Jedenfalls bekomme ich seit Sonntag Abend diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Es tut so weh. Und gestern spürte ich wieder diesen Selbsthass und verletzte mich. Ich weiß nicht woher dieser kommt und woher die Ursache kommt. Ich weiß nur immer wenn meine Mutter total betrunken war, und mich mal wieder fertig machte mit Worten und Gesten dann ging ich in mein Zimmer und biss mich wieder. So doll bis es blutete. Irgendwann war dann der aufgestaute Druck weg und ich konnte vielleicht mal etwas weinen. Meine Mutter hatte in all den Jahren nie verstanden und auch nie danach gefragt warum ich das tue. Obwohl ich erst auch nicht wusste warum, ich tat es ganz einfach. Vielleicht war es mein Ventil mit der Problematik Zuhause umzugehen. Und um so schlimmer die Probleme wurden um so mehr verletzte ich mich. Als ich so zwölf, dreizehn war nahmen alle Probleme überhand. Und meine Mutter schien dem Alkohol immer mehr zu verfallen. Ein Tag ohne Korn war überhaupt nicht mehr möglich, manchmal konnte sie noch nicht mal mehr essen kochen. Dann kam meist in der Mittagspause meine Cousine und wir kochten uns Nudeln mit Paniermehl und Maggi.
Das ging soweit das ich in die Kinder und Jugend Psychiatrie kam und letztendlich in ein Kinderheim vom Jugendamt entführt wurde. All das habe ich nicht vergessen. Ich versuche das alles irgendwie zu verdrängen. Weil es immer noch so weh tut. Jeder einzelne Tag, und jede einzelne Minute die ich mit meiner Mutter erlebt habe, war die Hölle. Und der Alkohol war der Teufel, der sie verführt hat. Und ich das kleine unbedeutende etwas, das versuchte nur irgendwie zu überleben. In mir ist es Schwarz, Tränen suchen sich ihren Weg nach draußen. Es tut so weh, so furchtbar weh. Warum, warum!?

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