Co - Abhängigkeit,  Emotionaler Missbrauch,  Kinderheim,  Traumatische Erlebnisse

Der Aussichtslose Kampf

Habe ich denn heute, nach all den Jahren erst gesehen das es damals so viele Kinder gab die, ebenso eine Scheiß Kindheit hatten oder sogar noch schlimmer.

Ich habe geglaubt ich wäre die einzige der das schlimme widerfahren ist.

Vielleicht nicht mit meiner Geschichte, aber so einer ähnlichen.

Habe mir eben den Film Pokerhouse mit Jennifer Lawrence angesehen, wieder sind Teile aus meinem Leben mit dem Inhalt des Films vermischt.

Weiß ich heute nicht mehr wie ich das alles überstanden habe.

Sehe ich solche Filme, kommen die Gedanken zutage die ich einst so gut verdrängte.

Oder einfach nicht mehr aktuell sind, so lebe ich doch jetzt in Guten Verhältnissen.

Wenn ich darüber nachdenke, welch Druck und Angst in mir aufgekommen sind immer dann, wenn von meiner Mutter die Rede war, lief es mir kalt den Rücken herunter. Ich bekam oft Bauchweh, Magenkrämpfe und konnte mich stunden von der Toilette nicht wegbewegen.

Jetzt würde ich am liebsten weinen, ich weiß nicht warum und wie so. Es ist eben einfach so.

Ich kann nicht mehr jeden Tag im Heim, restlos detailliert wiedergeben, dafür habe ich wohl Zuviel gesehen und auch erlebt.

Ich denke heute schon das es für die Kinder, die von ihren Eltern geschlagen und misshandelt wurden ein sicherer Hafen war, im Gegensatz dazu was man hinter verschlossenen Türen nicht sieht oder sehen darf.

Ich denke heute etwas anders über die Zeit im Heim, wenn ich damals auch immer weg, nach Hause wollte und ich mit so manchen Erziehungsmethoden nicht zurechtkam. Denke ich, vielleicht war nicht alles falsch und es hätte uns eventuell noch schlechter gehen können.

Aber da ich damals auch noch immer im Bann meiner Mutter war und ich kaum eigene Meinung besaß, redete ich mir ein das ein Heim nur so etwas ist wo Böse Kinder hinkommen.

Ich verstand die Welt nicht mehr, als ich einfach entführt wurde. Und es ist so wie ich es schreibe – es ist die Wahrheit.

Das Jugendamt dachte, meine Mutter könnte mir etwas antun – vielleicht im Betrunkenen Kopf.

Ich kann es nicht mit Hundert Prozentiger Sicherheit sagen, aber ich glaube das es Mama nicht getan hätte.

Heute weiß ich einiges mehr und auch warum sie so tief gefallen ist.

Ich verstehe es, ich kann mich in ihre Lage hinein versetzten auch wenn das sonst niemand konnte.

Sie hat sehr schlimme Dinge erlebt, teils sogar dinge die ich zum Glück nicht erlebt habe. Dafür wieder anderes.

Zwar gibt das ein Mensch nicht das Recht, dennoch zu tun und zu lassen was man will, wenn man Schwanger ist, sollte man das Saufen lieber sein lassen.

In dieser Lage konnte ich mich nicht rein versetzten.

Mein Gedanke war, dann könnte ich das Kind auch gleich umbringen. Ein Kind im Mutterleib so etwas anzutun gleicht für das Kind, ebenso wie für die Mutter einen Selbstmord auf Raten.

…würde am liebsten schreien, ich weiß gerade nicht wohin mit meinem Gefühl.

Da ich ja genau weiß das es Millionen anderer Kinder gibt die gerade das selbe mit machen.

Wenn ich nur könnte, würde ich sie befreien damit sie sich, nicht das mit ansehen müssen was ich damals sehen musste.

Das schlimmste ist, wenn du solch ein Vertrauen aufbaust und es, geht einige Zeit gut und dann zerbricht das Kartenhaus in Tausend Einzelteile.

Was in dem Moment in dir Vorgeht was du empfindest und fühlst gleicht einem inneren Weltkrieg zwischen dir selbst und den Menschen dem du vertraut hast.

Ich werde diesen Tag niemals vergessen.

Ich saß in meinem Zimmer, auf meinem Bett.

Es war ein durchwachsenes Wetter mal Regen mal Sonne und der Herbst würde bald die Abende dunkler machen…bis die ersten Schneeflocken fliegen würden.

In meinen Gedanken versunken, schrie von unten ein Kind „Diana, komm mal runter da ist Besuch für dich.

Ich glaubte das nicht und sagte auch nichts und blieb einfach oben.

Bis es etwas später an der Tür klopfte, und ein Junge vor mir stand und sagte das Besuch für mich da wäre, er sagte er glaubte es wäre meine Mutter.

Ich sagte nur, das kann gar nicht sein.

Meine Mutter weiß doch gar nicht genau wo ich bin.

„Wehe, du erzählst Mist – sagte ich im vorbei gehen.

Ich rannte die Treppe herunter, das Herz klopfte mir bis zum Hals.

Ich rannte und dachte nur, bitte lieber Gott lass sie Okay sein. Bitte tue mir das nicht an.

Ich hatte keine Freude und auch war ich nicht froh meine Mutter zu sehen als ich sie dann sah.

Kaum auf den Beinen haltend, klammerte sie sich an den Türrahmen von der Taxi Tür.

Der altbekannte Taxifahrer nickte nur mit seiner Schulter und zwinkerte mir zu.

Nun stand ich da, in jetzt von einer zur anderen Minute zerbrach meine Welt in Tausenden von Stücken. Meine Seele schwer wie Blei.

Wieder diese alten Worte, die ich seit eh und je hörte

„Freust du dich nicht, mich zu sehen „?

Was ziehst du so für eine Flappe?

Ich tat so als würde ich mich freuen.

Aber wie sollte ich mich denn auf meine Mutter freuen, wenn sie nicht mal an so einem Tag, um mich zu besuchen nüchtern sein konnte.

Noch nicht mal da konnte sie sich zusammenreißen.

Mein Gott habe ich diese Scheiße gehasst.

„Puhh , ausatmen. Tränen füllen meine Augen aber ich will weiter schreiben…ich muss es tun – für mich.

Ich will endlich mit diesem Dämon der Vergangenheit abschließen.

Warum nur tut es immer noch so weh, so verflucht weh.

Ich dachte ich wäre drüber hinweg…“

Hätte sie mich doch lieber geschlagen, aber diese Worte und ihre Blicke werde ich wohl in meinem Leben niemals vergessen. Ich hasse dich du scheiß Alkohol du Teufel du Satan du elendiges Suchtscheißzeug.

Hast mein Leben ruiniert.

Ich hasse dich abgrundtief.

Meine Mutter war mal so wunderschön,

Sie hatte ein Herz aus Gold und ihre Seele war rein und liebenswert, und dass was sie erlebte und dieser Scheiß Alkohol hat aus ihr ein Zombie gemacht.

…Ein Erzieher kam raus zum Hof und sah meine Mutter. Meine Mutter fragte ob ich mit dürfte in ein Café, Eis essen.

„Ja aber nur eine Stunde“ hieß es dann.

Letztendlich fuhr ich mit ihr und dem Taxi nach Aerzen in irgendein Eiscafé.

Eigentlich mochte ich überhaupt nichts essen und auch nichts trinken.

Meine Mutter, mutierte zum inneren Vulkan und sobald ich nicht mehr lächelte, meinte sie etwas falsch zu machen. Und verzog ihr Gesicht von der Liebevollen Mutter zu einem Monster.

Ihre Blicke, trafen mich tief und sie stieß mir immer wieder vor das Schienbein.

Bis mir die Tränen kamen.

Ich wollte fast aufschreien als sie ihren Mund zusammenkniff und ihre Augen vor Wut blitzen.

Aber ich hielt mich wie immer zurück und schluckte den Schmerz ganz tief ein.

Ich wollte nun einfach die eine Stunde irgendwie überleben.

Wenn ich auch danach nicht mehr wüsste was ich machen soll ausbrechen, alles zusammen schreien oder zusammenschlagen. Ich bin völlig am Ende.

Ich weiß nicht mehr weiter, nicht mehr vor und nicht mehr zurück.

Ich aß Notgedrungen mein Eis wofür ich schon fast die ganze Stunde für brauchte.

In dieser Zeit, trank meine Mutter ein paar Biere und Korn dazu. Ich hatte eine Wahnsinnsangst das sie überhaupt noch nach Hause kommt.

Aber unser Taxifahrer kam ja auch bald wieder, der würde sich darum kümmern das sie wenigstens wieder nach Hause kommt.

Aber was würde dann sein?

Sie sah noch immer so abgemagert und schlecht aus, immer musste sie ihre Hand vor ihrem Mund halten damit ihr Gebiss nicht herausfiel.

Um so gerne ich mit meiner Mutter zusammen war,

aber dieser Besuch hatte mir den Rest gegeben.

Ich wusste nicht mehr ob ich ihr überhaupt noch etwas glauben konnte.

Und ich dachte es wäre endlich vorbei, nach all den Jahren das Hoffen und Bangen.

Als wir im Taxi saßen, beruhigte sich meine Mutter wahrscheinlich war sie Müde geworden.

Auf einmal war sie wieder so lieb und liebevoll, ich fragte sie ob sie noch mit reinkommen wolle.

Irgendwie hatte ich das Gefühl das sie sich jeden Moment übergeben könnte, zumindest ging es ihr nicht gut so hatte ich den Anschein.

„nein, Dianchen – heute nicht mehr, mir geht es gerade nicht so gut“

Das Taxi fuhr auf dem Hof, und ich streichelte meine Mutter sanft über die Wangen und gab ihr ein Küsschen.

Ich sagte ihr „Mama ich habe dich so lieb“ Bitte hör auf du siehst doch das es dir nicht gut tut.

Sie lächelte mich nur an, und sagte bis bald mein Kind.

Ich hab dich lieb.

Und dann zog sie die Taxi Tür zu und das Taxi fuhr vom Hof.

Ich winkte ihr noch nach, aber sie sah es nicht mehr.

Ich stand da, die Wolken verdichteten sich und es fing an ein paar Tropfen zu regnen.

Ich stand noch eine ganze Weile da und dachte an Zuhause. Und an meine Mutter.

Meine Tränen ließen sich nicht mehr aufhalten, ich weinte still, heimlich und so das der Regen meine Tränen mit fortwischte.

Am Fenster klopfte ein Kind das mich wohl gesehen hat. Ich dachte an nichts, mein Kopf war voll und leer zugleich.

Mit leisen Schritten ging ich wieder in das Haus, unbemerkt wollte ich nur noch in mein Zimmer, in mein Bett. Decke und Kopfkissen über meinem Kopf und nur noch weinen.

Niemand der mich sah, kein Trost und kein es tut mir leid.

Nur mit der Angst und den Sorgen was aus meiner Mutter nun würde damit blieb ich auch wie sonst immer allein.

Auch am nächsten Tag, verlor niemand etwas über den Tag als meine Mutter stockbesoffen mit dem Taxi angefahren kam.

Aber ich bin mir sicher, das eine Rote Zeile in den Akten vom Jugendamt stehen würde.

Trotzdem musste es nun irgendwie weiter gehen, ich weiß echt nicht mehr wie ich das alles gepackt habe.

Wenn ich mir das heute so vorstelle denke ich es war ein einziger Alptraum ein Psycho Horrorthriller oder so was.

Nur damit war noch längst nicht alles vorbei.

Der richtige Horror war und blieb noch über ein Jahrzehnt.

 

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